Liebe Leserin, lieber Leser!

Neulich im Konfirmandenunterricht. Ich denke mit den jungen Leuten über Fragen des Glaubens nach. Schließlich kommen wir auch auf den Islam zu sprechen. Ich frage: Was wisst ihr von dieser Religion? Schnell melden sich mehrere Jugendliche und geben Auskunft: Fünf Säulen hat der Islam. Das Glaubensbekenntnis, dass es nur einen Gott gibt und Mohammed sein Prophet war. Dann: Das tägliche Gebet, das Fasten im Ramadan, die Pflichtabgabe, und die Wallfahrt nach Mekka. Die Jugendlichen haben im Religionsunterricht aufgepasst. Gut so!

Ich frage weiter: Und, was meint ihr, sind die Säulen des Christentums? Worin sind sich alle Christen, die evangelischen und katholischen und die orthodoxen, einig? Was ist das gemeinsame Fundament? Keiner antwortet. Stille. Dann sagt ein Mädchen etwas zaghaft: Vielleicht die Taufe? -

Es ist schon erstaunlich, wie viel Unsicherheit bei den Jugendlichen, aber bestimmt nicht nur bei ihnen, über die Grundlagen des christlichen Glaubens herrscht. Dabei ist doch alles kinderleicht. Der Satz, mit dem das Christentum steht und fällt, lautet: Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden. Das musst du wissen, das darfst du glauben. Alles weitere ergibt sich aus diesem Satz. Auch das, was dann allerdings keineswegs kinderleicht, sondern geradezu atemraubend ist. Denn der Grund-Satz des christlichen Glaubens sagt: Gott ist nicht in unendlicher Ferne geblieben, sondern er hat unsere Nähe gesucht. Weil Liebe immer Nähe sucht. Weil Liebe den Geliebten doch nicht allein seinem Schicksal überlassen kann. Weil Liebe Himmel und Erde in Bewegung setzt, damit schließlich doch alles gut werden kann. Auf dieser geschundenen, todesverliebten Erde. Bei dieser verlorenen Menschheit, die voller Gier und Hast immer schneller ihr eigenes Grab schaufelt. Bei dir und bei mir, ja, damit es auch bei uns Weihnachten werden kann und wir endlich in der Fremde eine Heimat finden.

Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden. Das ist die Säule des Christentums. Nicht wir versuchen zu Gott zu kommen, sondern er kommt zu uns. Damit unterscheidet es sich klar und unmissverständlich von allen anderen Religionen. Auch vom Islam. Dem wir mit großem Respekt begegnen. Aber zu diesem Respekt gehört, den muslimischen Glauben in seiner Andersartigkeit zu verstehen und die Grenzen zu achten. Auch um uns selbst und den Reichtum unseres Glaubens tiefer begreifen zu können. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

Herzlich René Lammer, Pastor

Endlich wieder...

Liebe Gemeindemitglieder,
Wann wird es endlich wieder Sommer, ein Sommer wie er früher einmal war ... ? Sie erinnern sich? Rudi Carell hat den Schlager 1975 gesungen. Seither tauchte er immer wieder in den Radios auf. Und sorgte für ein leicht wehmütiges Gefühl: Ach früher, war eben doch alles besser. Sogar der Sommer.
Nur dieses Jahr, da ist es uns doch ein bisschen mulmig geworden. Da war nicht nur der beschworene Sonnenschein von Juni bis September, sondern es ging im April schon damit los. Und aus dem wehmütigen ist ein beklemmendes Gefühl geworden: Ist das nun der Klimawandel, mit Temperaturerhöhung, orkanartigen Stürmen, mit Dürrezeiten und immer wieder sintflutartigen Regenfällen?
Es wäre nicht ohne bittere Ironie: Wir sonnenhungrigen Nordeuropäer lassen keine Gelegenheit aus, um in den warmen Süden zu fliegen und mit den Treibhausgasen, die wir so erzeugen, kommt der Süden mit seinen Temperaturen schließlich zu uns. Wenn dann noch der Meeresspiegel steigt, dann können wir in Zukunft wirklich den Urlaub Zuhause machen….
Natürlich, so einfach und so harmlos wird es kaum werden. Seriöse Wissenschaftler rechnen heute mit ernsten, ja katastrophalen Folgen der Erderwärmung. Und nicht wenige vermuten gar, dass die Linie, bei der diese Entwicklung noch zu bremsen oder gar zu stoppen war, längst überschritten ist. So stehen wir Menschen dem Unheil, das wir selbst heraufbeschworen haben, schließlich als ohnmächtige Zuschauer gegenüber. Und können gar nichts mehr machen, als doch wieder wie in alten Zeiten, die Hände schlicht zum Gebet zu falten.
Aber vielleicht wäre das ja ein Anfang. Ein Anfang, um demütiger und so realistischer zu werden. Um zu begreifen, wie zerbrechlich wir in Wirklichkeit sind. Und bei allem beeindruckenden Wissen und Können am Ende doch immer wieder nur auf das Eine angewiesen sind: dass Gott uns sein Angesicht gnädig zuwendet und nicht fallen lässt das Werk seiner Hände. Da wäre es keine schlechte Idee, nach dem Reformationstag nun auch den Buß- und Bettag wieder als gesetzlichen Feiertag einzuführen. Und darauf zu setzen, dass Gott uns und unseren Kindern noch einmal eine Chance gibt.
Herzlich

René Lammer, Pastor