Aktuelles

Ausblick Gemeindefahrt Oktober

Die Gemeinde Northeim lädt ein zur Gemeindefahrt vom 13. bis 15. Oktober nach Frenswegen, in die Niedergrafschaft. Die Gemeindefahrt steht unter dem Thema: Die andere Reformation. Auf dem Programm steht zunächst ein Besuch in Münster, um einen Eindruck von der Wiedertäuferbewegung des 16. Jahrhunderts zu bekommen.

Weiterlesen …

Fahrt nach Mühlhausen

Der ökumenische Gesprächskreis bereitet eine Fahrt nach Mühlhausen (Thüringen) vor.

Am 01. Juli 2017 wollen wir uns um 9:30 Uhr am Bahnhof in Nörten-Hardenberg treffen und um 9:42 Uhr mit dem Metronom starten. Wir werden gegen 11:00 Uhr den Bahnhof in Mühlhausen erreichen.

Weiterlesen …

Liebe Leserin, lieber Leser!

Bald ist es soweit: Am 9. September 2017 werden wir in Angerstein das erste Mittelalterfest feiern. Zwar hat man ganz bestimmt auch im Mittelalter in Angerstein schon Feste gefeiert. Aber eben keine Mittelalterfeste, schlicht, weil man damals nicht wusste, dass man im Mittelalter lebte. Denn erst später, als man auf die Epoche mitten zwischen Antike und Neuzeit zurückblickte, sprach man vom Mittelalter.


Dabei ist es gar nicht so einfach, dieses Zeitalter genau zu begrenzen. Waren es die Eroberung Konstantinopels durch das osmanische Reich, die Erfindung der Buchdruckkunst, die Renaissance, die Entdeckung eines neuen Kontinentes im Westen, die das Mittelalter beendeten? Oder läutete die Wittenberger Reformation das Ende eines Zeitalters ein?


Uns reicht es zu wissen, dass vor etwa 500 Jahren tatsächlich eine neue Epoche in der Menschheitsgeschichte begann. Man spürte das, weil ehrwürdige Traditionen und unbedingte Autoritäten mit einem Mal in Frage gestellt wurden. Leibeigene begehrten auf und forderten ihre Rechte ein. Der Einzelne trat in den Mittelpunkt und wollte mitreden und mitentscheiden. So beklagten sich Bischöfe, dass sie nun schon mit einfachen Bauern über Fragen der Heiligen Schrift disputieren müssten. Unerhört! Schließlich forderte das Volk gar, die Pastoren selbst wählen zu dürfen! Denn man könnte sehr wohl die rechte von der falschen Lehre unterscheiden! -


Damit dies möglich wurde, hatten die Reformatoren allen Christen die Bibel in ihrer Sprache in die Hand gegeben und sie zum Maßstab aller Reform gemacht. Um sie lesen und verstehen zu können, bedurfte es seinerseits nun der Bildung breiter Schichten der Bevölkerung. Mit der steigenden Bildung gewannen Begriffe wie Vernunft und Gewissen immer stärker an Bedeutung. Die Kirche dagegen verlor in Folge dessen ihr Monopol, die Wirklichkeit zu deuten. Sie wurde zurückgedrängt, Staat und Gesellschaft begannen sich zu verselbständigen.


Die umwälzenden Entwicklungen fanden in den Thesen Martin Luthers einen treffenden Ausdruck: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan, so lehrte es der Wittenberger Reformator. Damit brachte er neben der Freiheit die grundsätzliche Gleichheit der Menschen ins Bewusstsein, die nach seiner Lehre in der Priesterschaft aller Gläubigen verwurzelt ist.


Sicher blieb Luther selbst in vielen Dingen noch dem Mittelalter verhaftet. Er war ein treuer Untertan seines Fürsten und die für sich selbst in Anspruch genommene Glaubensfreiheit fand bei den Wiedertäufern und Juden schnell ihre Grenzen. Aber dennoch klingen bei den Reformatoren mit den Begriffen von der Freiheit, Gleichheit und Vernunft Themen an, die die Neuzeit maßgeblich bestimmen sollten. Sie wurden von der Aufklärung aufgenommen und verstärkt. Sie prägen unsere Kultur, unser Verständnis von Gleichberechtigung und Demokratie, von Menschenrechten und Humanismus bis heute. In der Auseinandersetzung mit anderen Kulturen merken wir jetzt, dass diese Werte keineswegs selbstverständlich sind. Sondern ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt. Gegenüber intoleranten Strömungen, die von außen und innen kommen.


Einiges spricht dafür, dass man unsere Zeit im Rückblick auch einmal als den Beginn einer neuen Epoche bewerten wird. Ob alles begrüßenswert ist, was da über uns kommt, sei dahingestellt. Als Christen sind wir gut beraten, wenn wir, ähnlich wie die Reformatoren, dem Neuen gegenüber aufgeschlossen sind und doch nicht einfach dem Zeitgeist folgen. Sondern wie sie, immer wieder in lebendigen Austausch mit unserem Ursprung treten. Und uns von Jesus Christus die Maßstäbe setzen lassen. Dazu gehört nicht zuletzt: In Gemeinschaft fröhliche Feste zu feiern, zu denen jeder eingeladen ist und jeder etwas beitragen kann.

Herzlich

René Lammer, Pastor