Liebe Mitglieder und Freunde der Gemeinde!


Passion - das ist Leiden und Leidenschaft. Beides gehört zusammen. Zumindest bei Jesus. Weil er sich leidenschaftlich für die Leidenden einsetzt, muss er selbst schließlich leiden. Er stört die Mächtigen, die vom Leid anderer profitieren. Sie verfolgen ihn mitleidlos bis zur letzten Konsequenz. So durchschreitet der leidenschaftliche Messias alles Leid dieser Welt, mit Leib und Seele.

Man legt ihn in Fesseln, man spuckt ihm ins Gesicht, man schlägt ihn, man bohrt ihm eine Dornenkrone auf das Haupt, man schlägt ihn ans Kreuz. Und das seelische Leiden wiegt nicht weniger schwer: der Hohn und Spott der Soldaten, die Verlogenheit der Priester, der Hass der aufgewiegelten Menge. Aber noch schlimmer: das Versagen der Freunde, die nicht eine Stunde mit ihm beten und wachen können, die kopflos fliehen, die ihn verleugnen. Schließlich der Endpunkt der Einsamkeit: der Selbstzweifel an der Richtigkeit der Mission, an der Grenze des Irrewerden sogar am himmlischen Vater: Mein Gott warum...

Passion - Leidenschaft und Leiden. Bei Jesus gehört beides unmittelbar zusammen. Aber nicht nur bei ihm. Auch der dunkelste seiner Freunde wird von Leidenschaft getrieben, auch er stürzt in namenloses Leiden. Judas, der wie die anderen alles hinter sich ließ um dem Meister zu folgen, dem auch die Vision des Reiches im Herzen gebrannt haben muss, der den Freund liebte und dessen Kuss sicher nicht nur ein Zeichen des zynischen Verrates war, auch Judas wird von Leidenschaft getrieben.

Welche Leidenschaft treibt Judas und was verleitet ihn dazu, den Freund zu verraten? Die Bibel selbst nennt einen trivialen Grund: „Was gebt ihr mir“ so fragt Judas die Priester, „damit ich ihn euch verrate?“ Und sie antworten: „Dreißig Silberlinge!“ Dreißig Silberlinge für das Leben des Freundes.... Die Bibel sagt, dass Judas in den Bann des Geldes gezogen wurde und diese Macht ihn nun auf unheimliche Weise bestimmte. An Judas und Jesus wird die Wahrheit manifest, die der Messias zuvor den Jüngern mitgeteilt hatte: „Man kann nicht zwei Herren dienen. Entweder wird man den einen hassen und den anderen lieben, oder an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen.“

So einfach ist das, so kompromisslos, so aktuell ist das. Wer sich unter die Macht des Geldes stellt, wer sich das Geld zum Götzen macht, kann nicht mehr dem Mann aus Nazareth nachfolgen. Der hat ihn innerlich verlassen, dieser Entscheidung folgt dann früher oder später die Tat.

Aber wer den lebendigen Gott verlässt, zahlt selbst auch einen hohen Preis. Nicht nur die Zerstörung anderer, sondern er riskiert auch die Selbstvernichtung. Als Judas sah, was er angerichtet hatte, ging er zu den Hohepriestern, brachte ihnen die dreißig Silberlinge zurück und sagte: „Ich habe Unrecht getan als ich unschuldiges Blut verriet. Sie aber sagten: was geht uns das an. Sieh du zu. Und Judas warf die Silber linge in den Tempel und erhängte sich.“

Wie geht es weiter? Drei Tage später wird Jesus auferstehen. Seine Leidenschaft wir sich auf die Jünger übertragen, so sehr, dass auch sie bereit sein werden, alleine Gott Gott sein zu lassen und für das wahre Menschsein zu leiden. Diese Leidenschaft ist es, die allein die Welt bis heute lebendig gehalten hat und die uns allen die Zukunft offen hält.

René Lammer, Pastor